DER DEUTSCHSPRACHIGE NEPHROLOGIE-PODCAST

Wissen, das zur Niere geht.

Expertengespräche für Ärzte, Fachpersonal und Interessierte — produziert im Nephrologischen Zentrum Villingen-Schwenningen.

▶ NEUESTE EPISODE • April 2026

Moderatoren:

Daniela Schmiedeke, Bernd Hohenstein

Dr. Nina Görlich

Nephrologin und werdende Mutter: (K)ein Grund für ein Beschäftigungsverbot?

Ein Gespräch mit Dr. Nina Görlich, Charité, Berlin In dieser Episode von Niere2go begrüßen wir Dr. Nina Görlich, Ärztin in Weiterbildung an der Charité Berlin, die sich derzeit im neunten Monat ihrer Schwangerschaft befindet. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sie einen klinikinternen Leitfaden entwickelt, um das Arbeiten während der Schwangerschaft in der Nephrologie aktiv zu gestalten, statt automatisch in ein betriebliches Beschäftigungsverbot zu gehen. Wir sprechen darüber, warum der Erhalt von Expertise in der Abteilung so wichtig ist und wie individuelle Lösungen – etwa der Fokus auf den doppelt besetzten Frühdienst oder die Rotation in die Sonografie – den klinischen Alltag und die Facharztausbildung sichern können. Ein zentraler Bestandteil des Gesprächs ist die Erstellung einer sogenannten „Positivliste“, die konkret aufzeigt, welche Tätigkeiten in der Nephrologie, der Dialyse und sogar auf der Intensivstation unter Einhaltung des Mutterschutzgesetzes weiterhin möglich sind. Nina räumt dabei mit Vorurteilen auf: Unter Berücksichtigung von Gefährdungsbeurteilungen und Schutzmaßnahmen sind Aufgaben wie Shuntpunktionen oder Katheteranlagen oft unbedenklicher, als viele denken. Zudem diskutieren wir das Modell des Teilzeitbeschäftigungsverbots, bei dem Kosten zwischen Arbeitgeber und Krankenkasse geteilt werden, um eine flexible Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Abschließend werfen wir einen Blick auf die strukturellen Herausforderungen und die Zukunft der Nephrologie. Nina betont, wie entscheidend eine ausreichende Personaldecke und sichtbare Vorbilder in Führungspositionen sind, um Schwangerschaft nicht als Belastung für das Team, sondern als normalen Teil der beruflichen Biografie zu etablieren. Die Folge ist ein Plädoyer für mehr Flexibilität und eine offene Kommunikation zwischen werdenden Müttern und Vorgesetzten, um die Vereinbarkeit von Klinikalltag, Forschung und Familie nachhaltig zu verbessern

50+

Episoden

5

Plattformen

2022

Launch

DE

Sprache

Letzte Episoden

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35 Jahre mit Nierenkrankheit, Dialyse und Transplantation: Eine bewegende Geschichte von und mit Heinrich Haag

Gast: Heinrich Haag, Patient und Vorstandsmitglied des Bundesverband Niere e.V.

zu Gast: Heinrich Haag, Patient und Vorstandsmitglied des Bundesverband Niere e.V. Herr Haag berichtet in dieser besonderen Folge von Niere2go über seine 35-jährige Erfahrung mit Nierenersatzverfahren. Bereits am Alter von 33 Jahren musste er sich recht schnell der Dialysebehandlung unterziehen. Dank eines verständnisvollen beruflichen Umfelds konnte er seine Arbeit weiterhin ausüben und obwohl die Diagnose und der Beginn der Dialyse eine große Umstellung bedeuteten, entwickelte er früh eine pragmatische Haltung: Er akzeptierte seine Situation, versuchte, ein normales Leben zu führen, und strebte von Beginn an eine Transplantation an. Herr Haag berichtet über seine drei Transplantationen mit stark unterschiedlichen Verläufen: Nach einer fulminanten Abstoßung der ersten Niere lebte er mit einer zweiten Niere etwa zwölf Jahre lang, bevor eine schleichende Verschlechterung erneut zur Dialyse führte. Er entschied sich zu diesem Zeitpunkt für eine Nachtdialyse, die es ihm ermöglichte, Beruf und Behandlung besser zu vereinen. Die dritte Transplantation im Winter 2022 war ebenfalls erfolgreich. Ihr folgten aber ein Bandscheibenvorfall und Komplikationen am Bein. Trotz zahlreicher Rückschläge im Laufe der Zeit bewahrte er stets seine Ruhe und Zuversicht. Bereits nach seiner ersten Transplantation begann Haag sich im Bundesverband Niere e.V. zu engagieren, motiviert durch eigene Erfahrungen mit mangelnder Aufklärung. Heute ist er Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg. Er betont die Nachwuchsprobleme in der Patientenvertretung, hebt aber zugleich hervor, wie wichtig persönliche Gespräche für die Krankheitsbewältigung sind.

Einzelzellen im Fokus: Wie Fibrose entschlüsselt wird

Gast: Prof. Dr. Georg Böhmig, Wien

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Rafael Kramann, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen, RWTH Aachen. Im Gespräch mit Prof. Rafael Kramann geht es um den Mechanismus der Fibrose in der Niere und die Fortschritte, die durch Einzelzell-RNA-Sequenzierung erzielt wurden. Er erklärt, dass diese Methode es erstmals erlaubt, einzelne Zelltypen im Nierengewebe präzise zu analysieren, ihre Genexpression zu messen und zu verstehen, welche Zellen an der Fibrose beteiligt sind. Im Gegensatz zu früheren „Bulk“-Analysen, die nur einen Durchschnitt über alle Zellen gaben, können jetzt spezifische krankheitsrelevante Zelltypen wie Fibroblasten und Perizyten identifiziert und ihre Rolle in der extrazellulären Matrixbildung aufgeklärt werden. Kramann betont, dass gerade diese Fibroblasten bei der Nierenfibrose den Großteil der pathologischen Matrix produzieren. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist, wie diese Erkenntnisse die Entwicklung neuer Therapien beeinflussen können. Die Analysen ermöglichen es, krankheitsspezifische Mechanismen und potenzielle Zielstrukturen für Medikamente zu identifizieren. Ziel ist es, die Progression der Fibrose zu verlangsamen und den Funktionsverlust der Niere hinauszuzögern. Dabei betont Kramann, dass es bei Nierenerkrankungen eher darum geht, den Fortschritt zu stoppen als bestehende Fibrose rückgängig zu machen, da verlorene Nephrone nicht regeneriert werden können. Ansätze wie Kombinationstherapien könnten zukünftig helfen, den Krankheitsverlauf noch stärker zu beeinflussen. Darüber hinaus gibt Kramann Einblicke in den Alltag eines Klinikdirektors und Forschers, der Klinikleitung, Forschung und Familie miteinander vereinbart. Er beschreibt, wie moderne Forschungsansätze und Kooperationen weltweit genutzt werden, um große Datensätze zu analysieren und präklinische Experimente effizienter zu planen – zum Beispiel durch KI-gestützte Modellierungen. Abschließend zeigt die Episode, dass sich das Feld rasant weiterentwickelt und mit neuen Technologien wie räumlicher Genexpressionsanalyse das Verständnis von Fibroseprozessen auf ein neues Niveau gehoben werden könnte, was langfristig verbesserte Therapien verspricht.

AMR – Antikörpervermittelte Transplantatabstoßung

Gast: Prof. Dr. Georg Böhmig, Wien

Schwangerschaft und Niere

Gast: Dr. Dominik Tacuri-Strasser, Nierenzentrum Offenburg

Ein Gespräch mit Dr. Dominik Tacuri-Strasser, Nierenzentrum Offenburg In dieser Folge von Niere2gowidmen sich Bernd und Daniela einem Thema, das viele Zuhörer:innen lange gewünscht haben: Schwangerschaft bei Nierenerkrankung. Historisch wurden Frauen mit Nierenerkrankungen oft pauschal von Schwangerschaften abgeraten. Heute jedoch steht der individuelle Kinderwunsch im Mittelpunkt – gemeinsam mit einem differenzierten, risikoangepassten Vorgehen. Dr. Dominik Tacuri-Strasser, Nephrologe und ärztlicher Leiter in Offenburg, teilt seine Erfahrungen zur Versorgung nierenkranker Schwangerer. Er erklärt die physiologischen Veränderungen der Nieren während der Schwangerschaft, den Umgang mit Patientinnen unter Dialyse oder nach Transplantation und gibt praxisnahe Einblicke in Diagnostik und Prävention. Im Mittelpunkt steht dabei die individuelle Betreuung – von der Blutdrucküberwachung bis zum Einsatz von Biomarkern wie sFLT1 und PLGF zur Früherkennung von Komplikationen. Zum Abschluß wird betont, dass die verbesserte Betreuung nierenkranker Schwangerer nicht nur kurzfristige Erfolge für Mutter und Kind bringt, sondern auch langfristig zur besseren Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei Frauen beiträgt. Damit öffnet die Schwangerschaft eine wichtige Tür zu einer nachhaltigeren Frauengesundheit – ein Thema, das weit über die Nephrologie hinaus Bedeutung hat. Viel Freude beim Hören dieser inspirierenden Folge!

Der DN e.V. – Berufsverband der Nephrologinnen und Nephrologen

Gast: Dr. Michael Daschner, Saarbrücken

Ein Gespräch mit Dr. Michael Daschner, Saarbrücken In dieser Folge von Niere2go begrüßen Daniela und Bernd heute Dr. Michael Daschner. Er ist niedergelassener Nephrologe aus Saarbrücken, seit 15 Jahren Vorstandsvorsitzender des Verbands Deutsche Nierenzentren (DN) und gibt einen persönlichen Einblick in seine berufliche Laufbahn. Seit der Gründung seiner Praxis 1997 kombiniert er Nephrologie und Diabetologie, zwei Fachbereiche, die sich inhaltlich gut ergänzen. Er spricht über die enge Patientenbindung, die über viele Jahre hinweg aufgebaut wird – im Gegensatz zur oft anonymen Versorgung früherer Klinikzeiten. Besonders wichtig ist ihm die vertrauensvolle Beziehung zu den Patienten, die oftmals schon lange vor einer möglichen Dialysebehandlung beginnt. Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist das Engagement im DN, das als Interessenvertretung der ambulant tätigen Nephrolog:innen fungiert. Der Verband wurde 1980 gegründet, um für bessere Strukturen und eine angemessene Vergütung in der Dialyseversorgung zu kämpfen – Themen, die auch heute noch aktuell sind. Dabei ist der Zeitaufwand für seine ehrenamtliche Arbeit im Vorstand schwer zu beziffern – er bezeichnet es eher eine Haltung als einen "Job". Der Verband hat sich über die Jahre professionalisiert, bietet Fortbildungen und Beratungsangebote und ist mittlerweile ein etablierter Gesprächspartner bei der KBV und den Krankenkassen. Für die Zukunft sieht Daschner große Herausforderungen in der Nachwuchsgewinnung und der Anpassung des Systems an neue berufliche Realitäten, etwa mehr Teilzeitwunsch, feminisierte Medizin und ein wachsendes Interesse an Angestelltenverhältnissen. Auch strukturelle Veränderungen wie sinkende Dialysezahlen und steigende Anforderungen in der Sprechstundenversorgung erfordern eine Weiterentwicklung der Honorarsysteme. Initiativen wie die „Masterclasses“ sollen junge Kolleg:innen praxisnah auf eine mögliche Niederlassung vorbereiten. Letztlich sieht Daschner die Nephrologie als faszinierendes Fach mit großer menschlicher Tiefe, das langfristige Beziehungen mit Patient:innen ermöglicht – ein Aspekt, den es zu bewahren und weiterzuentwickeln gilt.

Immunsystem trifft Niere

Gast: Frau Prof. Dr. Kathrin Eller, Medizinische Universität Graz

Ein Gespräch mit Frau Prof. Dr. Kathrin Eller, Medizinische Universität Graz. Diese Folge von Niere2go begrüßt Prof. Kathrin Eller, die ihre Karriere und Forschungsarbeit in der Nephrologie vorstellt. Sie berichtet von ihrem Werdegang, der durch Zufälle geprägt war, und ihrer frühen Faszination für experimentelle Forschung. Ihre Arbeit an der Universitätsklinik Graz verbindet klinische Tätigkeit mit translationaler Forschung, bei der sie Erkenntnisse aus der Klinik in Laboruntersuchungen überführt und umgekehrt. Besonders hebt sie hervor, dass die Stärke dieser Herangehensweise darin liegt, klinische Probleme besser zu verstehen und experimentell weiterzuentwickeln. Die Folge dreht sich um immunologische Prozesse bei Nierenerkrankungen. Prof. Eller beschreibt, wie bestimmte Immunreaktionen und Entzündungsprozesse bei verschiedenen Nierenerkrankungen eine Rolle spielen und wie sich diese Mechanismen teilweise ähneln. Sie geht auch auf die neuen Therapiemöglichkeiten ein, darunter GLP-1-Analoga, die nicht nur metabolische Effekte haben, sondern auch eine starke anti-inflammatorische Wirkung zeigen. Zudem betont sie die Bedeutung von Stoffwechselveränderungen durch Medikamente wie SGLT2-Hemmer und die mögliche Rolle der Ernährung bei der Regulation immunologischer Prozesse. Abschließend diskutiert sie Herausforderungen für Frauen in der Medizin, insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Sie spricht über die Notwendigkeit, Frauen in der Wissenschaft und Klinik stärker zu unterstützen, um mehr weibliche Führungskräfte zu etablieren. Der Podcast endet mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen in der nephrologischen Forschung, insbesondere auf personalisierte Antikörpertherapien und innovative Therapieansätze, die möglicherweise einen individuell zugeschnittenen Behandlungsansatz für Patienten ermöglichen könnten.